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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   31.03.2002

Ostern

2. Timotheus 1,10: Christus hat dem Tode die Macht genommen und des Lebens unvergängliches Wesen ans Licht gebracht.
Römer 8,38 ff: Weder Tod noch Leben, weder Engel, Mächte und Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes, noch Tiefes, noch irgend eine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes. Das ist in Christus offenbart.

Zweitausend Jahre Christentum haben Jesu Auferweckung entsensationellt. Die schwach religiös gefärbte Bildung hält Christus für "aufgefahren in den Himmel", wir ahnen ihn und unsere Toten im Ewigen Leben, was und wo das auch immer sei. Das ist schon Trost, ist auch für uns eine starke Hoffnung am dünnen Ende: Wenn's gut geht, darf ich mit Neugier, ja mit Aussicht nach drüben sterben, darf zum Lebensende an der Reling meines Lebensschiffchens stehen, rufe den Zurückbleibenden ein "Lebewohl" zu, weiß mich, wenn's gut geht, mitgenommen auf große Fahrt. Mit "Schiff ahoi, die Leinen los!" können wir von hier fort. Das ist die Beute von Ostern.

Unseren Vorfahren, die von Höllen und Totenreichen bedroht waren, erschien dies die Rettung. Doch die Freudenbotschaft von Christi Auferstehung hat 2000 Jahren durchtränkt, und uns die Inferno Unterwelt aufgelöst. Das ist die eigentliche Sensation von Ostern. "Hinabgestiegen in das Reich des Todes" meint auch: Die Unterwelten sind abgerissen. Beglückend erzählt das die jüdische Weisheit: Ja, Gottes Himmel stößt an die Hölle. Wenn aber der Messias kommt, wird die Wand abgerissen, einfach weil Gott für alle seine Kinder und alle Kreatur einen großen Tanzsaal braucht, das wird doch jeder einsehen.

Gut, dann ist für uns gesorgt. Der Tod ist nicht Schluß, aus, alles vorbei. Christus hat ihm diese Macht genommen und sein Wesen ans Licht gebracht, - er ist Geburtskanal ins Ewige Leben, Tunnel in die ganze Freude, ein Heilschlaf hinüber - wir werden verwandelt und vollendet. Irgendwann wird mittels Tod unser Ich vom Körper abgestreift, der "Reisesack des Lebens" (R. Musil) bleibt zurück und vergeht, aber unser Geist ist befreit, Gott zu genießen. Nicht Schattenland kommt auf uns zu, sondern Kraft und Herrlichkeit, intensivstes Lebendig-Sein.

So ist Christi Auferstehung ein Hammer, der Felsen zerschmeißt: Das Wesen von Leben und Tod ist geklärt - Leben und Tod ist Schöpfung, ist Werk Gottes. Das Leben ist Gottes Stoff, zu dem der Tod gehört. Der ist nicht Herr oder Ziel oder Majestät, nicht ein Gegengott, sondern ist Kreatur, ein biologisches Mittel der Verwandlung. Wir werden gültig und heil gemacht.

Geschichtlich geschah das so: Jesus starb und warf sich der Liebe in die Arme. Ob er ins Leere fiel? Die Welt hielt den Atem an, bis Ostersonntag die Trompeten des Lichts verkündigten: "Christ ist erstanden". Also vor uns immer Leben, immer Bleiben im guten Ganzen, und nichts kann uns scheiden von der Liebe. Das ist nun wieder sensationell: Leben ist keine Strafe, sondern Gedeihen; alles soll Freude sein, jedenfalls auf dem Weg dahin. Was ist, ist Werden, Reifen, ist Anlauf. Schon jetzt sollen wir beglückten Herzens sein, Pein vermeiden, Sanftmut gelingen lassen, dem Jesus nach.
Der sei dir Führer und Hüter für den inneren Weg, Schützer uns Schutzbedürftigen, Licht uns, wenn wir finsteren Herzens sind. Der uns geneigt macht, zu dienen, weil wir nicht unsere Ehre hier wienern müssen. Den Auferstandenen höre auch als Alarm: wir sollen Gottes Kreatur, den Tod, nicht für Menschenzwecke einsetzen, - nicht morden und verhungern lassen. Oh weh, Tragik in Nahost.

Ostern  sagt den Sieg an des Lebens über den Tod. Das Leben bleibt, und der Tod stirbt (Dietrich Rössler). Das Leben stirbt nicht am Tod, sondern geht durch den Tod. Alle Ängste, alle Engungen sind kleine Tode, die uns verwandeln, mich zu mir selber bringen, wenn wir sie nicht abwehren. Nimm deine Angst an, betrachte sie bei Licht, bei dem inneren Licht des Christus. Der Kern der vor dir liegenden Gegenwart und der dunklen Zukunft ist: Du bist in Gottes Nähe. Also wolle doch den Kampf mit dir selbst bestehen, dem Jesus nach. Immer ist Heilsames dir nahe, Fingerzeige jedenfalls.

Fingerzeige auf Heilsames: Die Jünger von Emmaus erinnern sich: Brannte nicht unser Herz, als er mit uns redete auf dem Weg und uns die Schrift öffnete, das Leben erklärte (Lukas 24, 32)? Heilsames: der Geist der Freiheit, der mich aufstehen macht gegen mein Zufriedengelassen-werden-wollen. Heilsames: Liebkosung von Lebendigem.
Heilsames: Der Blütenzweig. Davon dichtete Schalom Ben Chorin: "Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?" Und er sagte, wo doch die Menschen das Vergehen der Menschheit selbst ins Werk setzen, und Tausende der Krieg zerstampft, da müsse man schon ein bißchen meschugge sein, den Blütenzweig als Fingerzeig der Liebe zu feiern. Aber ziemlich unbegreiflich ist ja auch, dass Gott uns liebt, uns schwierige, ich-verliebte oder ich-verschüttete Menschen. Er will den Mandelzweig zum Fingerzeig, dass die Liebe bleibt. Und dich, mich, Fingerzeig, dass die Liebe bleibt. Leben wir dem Jesus nach, auferweckt. Amen


 



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