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Kolumne 14. August 2004 - <br>Das Leben frisch halten mit Geschenken und Dank

Traugott Giesen Kolumne 14.08.2004 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Das Leben frisch halten mit Geschenken und Dank

von Traugott Giesen

Natürlich ist ein treffendes Geschenk das Beste. Zum Richtfest eine Fliese aus römischem Marmor, zur Taufe die Flasche mitgebrachten Jordanwassers oder zur Hochzeit den Stein, der in zwei Hälften gesägt ist, und weil er aus dem einen genommen ist, genau passt. Man überreicht den Stein mit einer Rede, die zum immer wieder Passendwerden des Paares Mut macht. Zum Geburtstag die Einladung des Patenkindes zu einem großen Fußballspiel; zur Konfirmation ein Erbstück aus dem Familienschmuck oder eine Reise mit den Großeltern nach Berlin oder Rom. Zum Abschied in den Ruhestand Palette und viele Farben oder einen Golfschnupperkurs. Beim Krankenbesuch ein erfrischendes Parfum; zur Silbernen Hochzeit ein Tandem. Dem, der nicht mehr gut sehen kann, eine Uhr mit Stimme statt Zeigern. Gutscheine für Anrechte auf Dreitage-Rundversorgung der Enkel, Rasenschneiden oder ab sofort: ein täglicher Anruf. Oder Kinder schenken den Eltern eine Glocke. Wenn die scheppert, ist zur Hilfe stürzen versprochen. Oder dem nächtens oft von Ideen Geweckten ein Schreibbrett beschaffen, mit Neonfarbe umrandet, dass er sich ohne Licht Notizen machen kann.

Ein passendes kleines Auto oder eine gute Hängematte: Beglückend sind Geschenke, die gezielt von diesem Menschen für diesen Menschen sind, die den Wurzelgrund gemeinsamen Erlebens speichern, die Ahnung einfangen von des andern Glück - die vom andern her gedacht sind. Geschenke sollen etwas möglich machen, sollen Ideen, Chancen, Segen bei sich haben, dazu noch fantasievoll eingepackt, das wäre auch Geschenk dazu.

Auch Geld ist nicht zu verachten. Es hat sogar etwas Diskretes. Mit Verlegung aufs Konto oder dem Einfließen in die größere Summe ist die Herkunft verwischt, der Schenker bescheidet sich mit dem Wissen, dass er was beigesteuert hat. Geld ist heiße Materie, es ist geleistete Arbeit, von wem auch immer, es ist gespeicherte Energie, die sich wunschgerecht verwandeln lässt in vielerlei Gestalt. Geld macht liquide, es verflüssigt, es bringt Kräfte ins Fließen, es ist "vergeistigte Gewalt" (R. Musil). Mit Geld verschenkst du Zugriff, Handhabe, schaffst auch die Möglichkeit, helfen zu können.

Großeltern sollten mit den Enkeln im Gespräch sein und wissen, für welches Vorhaben sie sparen - und dann großmütig zuschlagen. Auch ältere Kinder, selbst wenn sie schon ziemlich verdienen, nehmen einen Urlaubsschein noch gern an oder eine Umzugsbeihilfe. Sollten sie gar ans Bauen denken, ist jede Hilfe willkommen, die handwerkliche und die bare. Aber bei Geldgeschenken ist das Gefälle zu beachten. Wenn der Enkel dem Opa einen Schein schenkte, wäre das verrückt; auch zwischen Eheleuten geht es eigentlich nicht, weil sie doch gemeinsames Geld haben. Und wenn nicht, wäre das die schönste Gabe: Schenk doch die finanzielle Gleichwertigkeit.


 



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