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Keitumer Predigten   Traugott Giesen  Buß- und Bettag 20.11.2002

Lukas 13,6-9 Bäume und wir

Jesus sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine.

Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum und finde keine. So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft?

Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.

Was bleibt vom ersten Lesen hängen? Ein Besitzer, ein Gärtner, ein Baum; schon drei Jahre keine Feigen. keine Früchte. Hau ihn ab! Was hindert er das Land! Ein Gärtner bittet um den Baum: Gib ihm noch Zeit! Brutal, dass einer das Recht hat, den Baum zu entfernen, vielleicht fühlt er sich auch ohne Früchte wohl und gibt ein schönes Bild. Oder: Hoffentlich schafft es der Baum!

Auf einige Weisen sind wir auch ein Baum. Auch gepflanzt ins Leben, ohne gefragt zu sein. Vielleicht schon in mittleren Jahren braune Stellen, vielleicht im besten Mannes/Frauenalter und noch keinen Partner, obwohl gewünscht. Oder schon alt und knorrig, Freund Hein schweift ums Haus, aber man will noch gerne hier sein. Vielleicht eine japanische Zierkirsche mit mächtigem Blütenkleid, aber keine Früchte, oder mit vielen Früchten, dass der Baum sich dran kaputt trägt. Und er sehnt sich nach Herbst, nach Winter, wenn er nichts mehr muß. Oder ich habe Früchte, die mag keiner, und ich müßte mich mal umstellen auf nützlichere Arbeit, oder die Zeit ist vorbei, wo ich durchkam mit nettem Gesicht und guten Manieren, Zierfrüchten eben, die aber eigentlich nicht satt machen. Oder ich auch von Stürmen zerzaust, oder immer in argem Wetter, man müsste mir mehr Schutz besorgen. Und an meinem Lebensbaum fehlen mir schon einige dicke Äste, die hat das Leben abgeschlagen, den Gefährten, die Kinder, einen Teil Gesundheit. Aber ich habe immer noch eine neue Mitte gefunden. Vielleicht bin ich ein Baum auf schlechtem Boden, müsste noch mal neu beginnen anderswo.- Wir haben mit Bäumen viel gemeinsam, was wäre das Leben ohne den Trost der Bäume (G. Eich). Vielleicht haben wir auch einen Lieblingsbaum, der schon Jahrzehnte mit uns lebt. Oder einen Baum, der unserm Wesen ähnelt. Wir haben in Keitum mehrere Obstbäume auf den Friedhof gepflanzt, - das gibt ein schönes Bild: der Grabstein und darüber goldene Äpfel.

Aber ich bin nicht nur Baum. Ich bin auch Gärtner, meines Baumes, darf mit am Drehbuch meines Lebens schreiben, bin zuständig für mein und anderer, aber vor allem erst mal mein Wohlbefinden. Was tu ich mir zum Schaden, was tu ich mir zu gut? Worin sündige ich und werde mir nicht gerecht, gehe ich bewusstlos und rücksichtslos mit mir um? Ich Gärtner meines Glückes, wie pfleglich gehe ich mit mir um? Ich soll doch nicht meinen, dass ich zuerst das Glück anderer hüten und beschaffen muß, so dachten es wohl selbstlose Menschen, die dann verhärmt zur Grube führen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, - also lieb dich erst mal selbst, sei Dir ein guter Gärtner. Nimm dir Zeit für dich, lies dich frei, gestatte dir Liebe, Freiheit, wage Freundschaft. Schaffe dir, schaff deinem Baum Platz zum Atmen und Blühen.

Und Gärtner bist du auch für andere. Wer ist das Bäumchen, das deine Achtsamkeit besonders braucht? Wer in deiner Nähe braucht es, dass du seine Früchte wahrnimmst, auch seine veränderten Verhaltensweisen. Ich kann als Gärtner verkümmern lassen oder überschütten, wir können einander das Interesse verweigern, und dann geht der Sauerstoff des Lebendigen aus, dass einer uns merkt und braucht. Und wir können auch ersticken mit zuviel Fürsorge, binden den andern so eng an mich, dass ich beider Leben abschnüre. Sünde - klingt so kirchlich, so abgehoben, - aber Sünde ist schon das alltägliche Über den anderen Hinweggehen, oder das ihn Vereinnahmen, als wäre er willenlos.

Wir sind einander Gärtner, wenn wir das Leben recht verstehen. Wir können uns anregen und behindern, einander fördern oder kleinhalten, beraten oder beschimpfen. Jeder von uns hat etwas das Schicksal des andern mit in seinen Händen. Und manchmal geben wir uns als Gärtner, aber sind Diebe, sagen: ich will ja nur helfen; und bevormunden.-

Ich kann mich auch schädigen, dadurch, dass ich nur um mich selbst kreise, nur Sorger meines Baumes zu sein. Da werde ich letztlich einsam, weil ich mit meiner Liebe geize.

Und wir sind auch in der Rolle des Besitzers. Müssen auch sagen: „So nicht. und Jetzt ist damit Schluß.“ Wir müssen auch anderer Menschen Arbeit beurteilen, tun dies jeden Tag, indem wir hier kaufen und nicht da, zu dem Arzt gehen oder diese Zeitung lesen, die andere nicht. Jeder verwaltet ein Stück Macht. Das Geld in meinem Portemonnaie ist Kaufkraft; das Wissen in meinem Kopf ist Geisteskraft, und der Hände Arbeit ist Schaffenskraft. Für all die Begabungen bin ich zuständig, - auch für die Nutzung an Grund und Boden, so dass Leben darauf gedeiht. Der Besitzer des Weinbergs ist zuständig, dass dort alles getan wird, um guten Wein hervorzubringen, dazu gehört auch ein trächtiger Feigenbaum. Und will er nach Jahren nicht mehr, muß er Platz machen für einen Baum mit neuer Chance.- Das ist die sorgende Macht, die Gott uns Menschen eingeräumt hat, dass wir die Erde bebauen und bewahren - so der Auftrag.

Jeder muß ein Stück Macht verwalten, auch als Bürger, - einfach nicht zur Wahl gehen, und die Macht unberührt lassen, räumt nur anderen mehr Macht ein als ihnen zusteht. Wir müssen die uns anvertraute Macht ausüben, als Eltern, in den Berufen, als Mitmensch. Und zwar so, dass es uns und den Nächsten zum Besten diene. “Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7) - ist Auftrag.

Zum Glück ist unser Machtbesitz stark eingegrenzt, denn in Gebote und Gesetze eingehegt. Etwa Artikel 14, Absatz 2 Grundgesetz heißt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“ Also es ist uns aufgegeben, einander besseren Boden zu bereiten und Chancen seiner Entwicklung zu mehren.

Jesu Geschichte gibt noch mehr zu denken. Da bittet der Gärtner für den Baum: Gib ihm noch ein Jahr Zeit! Auch für mich ist um Zeit gebetet, um Frist, um mir noch Wichtiges anzufassen. Ich kann noch anders. Bin noch im Werden. Der Herr der Zeit lässt mich noch werden, noch mehr ich selbst und einiger mit mir, und andere haben dann auch mehr von mir. Wenn einer in sich selbst vergnügt ist, dann strahlt das aus und macht Mut, selbst auch die Zwänge abzuschütteln. Also noch Zeit, dir, mir. Das heißt aber auch, es gibt ein zu spät. Es gibt schon Menschen , die ich nicht mehr persönlich aufsuchen, um ihre Vergebung bitten kann, es gibt Gedächtnis, das träger wird. Einmal werde ich keine Zeit mehr haben. Also los.

Es hatte einer einen Feigenbaum… er kam und suchte Frucht. Das ist eine Geschichte, die an unsere Wesenswurzeln reicht. Du, ich, ein Baum in Gottes Acker, er das Geheimnis der Welt, will sich in uns erden, will seine Früchte der Liebe vom Baum unseres Leibes ernten. Wir selber sind ja zutiefst unglücklich, wenn wir mit leeren Händen dastehen, leerem Kopf, wie blöde, uns nichts Rettendes einfällt. Wir sind doch gerne großzügig und freundlich, - damit geben wir Gott Recht, wenn er gute Früchte von uns will.

Aber ist dir Gott ein guter Gärtner? Der Gott des Jesus Christus räumt dir doch Gelegenheiten die Fülle ein, hat dich reichlich und täglich versorgt, an vielen Übeln vorbei gebracht, durch andere Übel durchgebracht. Du, ich, wir sind in eine Heilungsgeschichte verwickelt, Liebe treibt meine Seele und die Weltgeschichte, treibt den Kosmos und alle Gestirne. Liebe treibt uns zu neuem Wachstum, wie das Gras durch den Asphalt treibt, wenn wir uns von Gott gut bestellen lassen.

Das ist wiederum unser Glück, wir sind nicht Bäume, sondern Menschen, wir können dem Gärtner entgegengehen, wir können umkehren und auch Buße tun und neu denken lernen wollen. Wir können Gottes Einstrahlung meiden. Wir können aber auch uns richten nach dem sanften starken Ruf, mich jetzt eines Besseren zu besinnen, jetzt mehr ein liebender Mensch zu werden, ab jetzt mehr hinfühlen, mehr merken wollen, mehr mir klar werden wollen was ich tue, getan habe, und angetan habe. Ich bin da, um Frucht zu bringen, dass ich und andere das Leben für keine Strafe halten, sondern es genießen können hier zu sein, auf dieser schönen armen Erde.

Ich sollte mir mal wieder Papier und Stifte nehmen und mal mich als Baum zu malen, mit starken oder schwachen Wurzeln, mit Blüten und mit Blättern und mit dunklen Stellen, und schon morschen auch. Und wenn ich meinen Baum male, dann lehnt da auch eine Axt am Stamm, denn wir sind nur auf Zeit. Noch ist es Zeit für gute Früchte.


 



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