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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   3. Advent  15.12.2002

Von Frauen leben lernen - Elisabeth und Maria

Lukas 1,26-44: Und als Elisabeth im sechsten Monat schwanger war, da wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer jungen Frau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria.

Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das?Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus (Gott rettet) geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und sein Reich wird kein Ende haben.

Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?

Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.

Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und sagte zu Maria: selig bist du, die du geglaubt hast!

Vier Wochen hat die alte Kirche im Kalender reserviert, dass wir teilnehmen am Kommen Christi. Dazu hilft, dass wir einen Hauch schwanger werden, gleich mit zwei Frauen: Elisabeth, der Mutter des Johannes und Maria, Mutter des Jesus.

Lauschen diesen beiden Frauen, wie sie je ihr Kind tragen, das ist hochspannend. Die ersten Christen lebten sich richtig rein in diese Werdezeit und schmückten sie liebevoll aus. Sicher auch, weil ja in uns das Kind Jesus Christus immer neu zur Welt kommen soll.

Ein schwerer Gedanke, dies? Das innigste Weihnachtslied wohl heißt. “Ich steh an deiner Krippen hier“ Und die letzte Strophe: “Eins aber hoff ich, wirst du mir, mein Heiland nicht versagen, dass ich dich möchte für und für in bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein, ach komm und lege bei mir ein, dich und all deine Freuden“ - Weihnachten ist, wenn Christus bei mir, nochmal und noch wieder niederkommt, mein Ich dem Christus verwandt macht, du, ich neu erblühe in dem Wissen: Du, ich auch Sohn, Tochter Gottes.

So ist Weihnachten nicht nur das Begehen des 2002. Geburtstages dieses berühmtesten Menschen, der je über die Erde gegangen ist. Weihnachten ist neues auf-die-Welt-kommen des Christus bei mir und dir.

Darum widmeten die ersten Christen dem zur-Welt-kommen von Johannes und Jesus viel Raum. Als Fühl- und Denkschule für mich selbst laßt uns mitgehen mit Elisabeth und Maria in ihrem Schwangersein. Klar, dass die beiden Frauen beispielhaft gezeichnet sind. An ihnen sollte die Wende anschaulich werden: vor Christus, nach Christus. Der Johannes schließt das alte Testament ab und weist auf den Kommenden hin, der uns mit Gott versöhnen wird. Seine Mutter gehört noch zu dem alten Glauben, der noch aus Ehrfurcht vor der Schicksalsmacht besteht. Ganz anders Maria, mit ihr wird das Neue Testament angefangen, das neue Gottesbild beginnt hier aufzuleuchten.

Zwei Frauen, eine ist spät dran, eine fast zu früh.

Elisabeth hatte lange sich Kinder gewünscht, hatte gelitten unter der Unfruchtbarkeit, sie galt als minderwertig, war verachtet, war allein schuld, weil sie den Mann ja fröhlich das Seine geben sah, man wusste es damals nicht besser. Inzwischen waren die Jahre über sie gekommen, der Kinderwunsch war weit an den Rand gerückt, fast schon vergessen, auch die Gehässigkeit anderer Frauen war abgeflaut. Da soll es noch was werden, leider wusste sie es nur aus zweiter Hand, der Mann soll vom Engel Mitteilung erhalten haben. Die Frau galt im Alten Bund nur als ausführendes Organ, das alte Gottesbild, ehrte den Mann als Herrn der Frau, worum sie auch nur indirekten Bescheid bekam, weil sie ja nur dazu da war, dem Manne ein Kind, möglichst einen Sohn zu schenken. (Absurd, dass heute solche Redewendungen auch noch zu hören sind - im nichtchristlichen Bereich ist diese Zweitrangigkeit der Frau noch da). Klar auch, dass die leiderfahrene Frau lange verschwiegen blieb. Denn nochmal den ganzen Zirkus der Vorfreude und dann das Verlorengehen - sie wollte es nicht noch einmal ertragen. Zumal ihr Mann auch keine gute Figur machte: Er war plötzlich stumm, was ja nie überzeugt, er schrieb auf eine Tafel, sie bekämen ein Kind, ein Engel habe ihm die Zukunft gedeutet. Zwar tanzte er vor Freude, wieder so ein Männerwahn, kann Elisabeth gemeint haben. Sie wollte erst mal warten, vielleicht, dachte sie auch: gut, dass ihm der Mund zugenäht ist: zu oft hat er die Hoffnung totgeredet, was ja die Männer gern machen, die es schwer haben, etwas wachsen zu lassen. Elisabeth konnte es aushalten, genutzt sein, als Hüterin und Wächterin, bis sie das Wachsende spürt. Sie darf Mutter werden, das Werdende in ihr macht sie zur Mutter. Da steht der Mann bloß da, soll bestenfalls ein Kinderzimmer bauen und zur Hand gehen, - lange ist nichts zu sehen. Fünf Monate verbarg sie sich vor der Öffentlichkeit, dann, als sie was vorzuweisen hatte, jauchzte sie und freute sich an Gott.

Das war noch die Zeit, da Kinder als Auszeichnung galten und Kinderlosigkeit als Strafe. Da galt Gott noch als willkürlicher Herr über Leben und Tod. Das schrie nach einem helleren Gotteswissen, diese Willkür kann nicht im Sinne der Liebe sein - wer nur erlöst uns aus dieser Gottesfinsternis? Elisabeth steht an der Schwelle zu glücklicherem Wissen von Gott - allein ihr Name ist schon eine Verheißung: „Gott ist die Fülle“ heißt sie- und was in ihr zur Welt kommen soll, das soll dem Gotteserklärer den Weg bereiten.

Der nun wird festlicher, üppiger angesagt: Da reicht es nicht, dass ein Mann nach Hause kommt und sagt: wir werden schwanger. Sondern zu Maria kommt der Engel Gabriel, zu deutsch: „Gott erweist sich als stark“. Engel sind personifizierte Sprache Gottes: Kein Flüstern, kein kann-sein, kann-nicht-sein, keine bloße Ahnung, sondern als würde nach langer Schwärze Licht, bricht eine ungeheure Energie über diesem Landmädchen auf: Du wirst schwanger werden mit Gottes Sohn.

Hier ist ins Bild gefasst, dass Gott Maria fragt, ob sie bereit ist. Ihre Zustimmung wird in Freiheit erfragt. Sie kann es sagen oder nicht: Ich bin des Herrn Magd, sein Wille geschehe. Elisabeth wird noch nicht gefragt, sie wird genutzt, wie es dem alten Gottesbild entspricht. Maria aber bringt den Gotteserkenner zur Welt, bringt zur Welt, den der uns die Menschlichkeit Gottes klarstellt und vorlebt. Und dazu gehört, dass Gott uns die Wahl lässt: Willst du mein Helfer sein, Mensch: willst du?

Jesus wird von Gott verkünden, dass er nicht über uns verfügt, sondern um uns wirbt, sein Reich mitzubauen.- Er lässt uns aber auch leben, wenn wir nur unser privates Reich wollen. Wie Gott uns dann einfängt und auch noch zu seinen Helfern macht, ist das innigste Geheimnis der Güte Gottes. Wie er er mit dem nichtkirchlichen Samariter eine neue Güte in die Welt setzt, aber mit dem Kirchenbeamten nicht klarkommt, wie er seine Kinder kommen lässt durch uns schwierige Eltern und doch mit ihnen klarkommt - wir denken doch viel zu klein von ihm, er ist dynamische Ewigkeit, aus der heraus die Zeit vorwärts springen kann. Er betreibt das Sein. Und erniedrigt sich und fragt uns, bittet uns. Erhöht so den Menschen zu sich, - das ist doch Jesu Offenbarung.

Gott fragt bei Maria an, ob sie den Retter der Welt gebären will. Jede Frau will den Heiland zur Welt bringen, sicher lieber einen Helden als eine Heldin, denn sie will ja den auch lieben und das geht besser mit einem männlichen Kind, eine Retterin würde die Mutter auch zweitrangig machen, - erstaunlich, schwierig, dass die Mütter sich mehr vom Sohn gefallen lassen, die Tochter eher dämpfen, wie sie selbst gedämpft waren zu Hause von ihren Müttern - umgekehrt ist es bei den Vätern mit den Jungen wohl auch. Früher.

Maria wird gefragt, ob sie den Retter der Welt erden will - sicher ging das biologisch seinen normalen Gang, egal was der Mann dazutut. Letztlich hält doch jede Frau Gott für ihren wahren Bräutigam, die Frau sich als Mitschöpferin und wahre Partnerin des Schöpfers. Na ja, die Männer holen ja mit der Zeit als Väter gut auf. Also die Jungfrauengeburt ist ein Symbol, ein geistiges Zeichen für die wahre Schaffensmacht Gottes. Die glauben wir auch bei normaler Elternschaft. Gott macht, nicht der Mann, letztlich auch nicht die Frau, sondern wir lassen geschehen, dass Leben in Leben taucht und daraus ein Neues wird.

Maria wird gefragt, ob sie den Retter der Welt erden will. Das ist eine herrliche Parallele zu uns: Wir werden auch gefragt, ob wir dem Heiland zum Leben verhelfen wollen, ob wir uns für Gottes Helfer halten und hinhalten wollen, ob wir die Hände der Liebe Gottes sein wollen, wir die Dolmetscher des Lebens, einander, dass keiner ersticke am Hiersein, sondern sich jeder als Kind Gottes entdecken und neu gebären darf.

Wir haben auch nicht mehr als den Engel, die Stimme des Herrn: Willst du, dass durch dich der Wille Gottes passiert. Und tatsächlich stehen wir genau so frei da - und können entscheiden, wer wir sein wollen: Christusträger oder ja, Weggucker; Herbergswirte, die kein Zimmer frei haben.

Der Engel sagt Maria: Auch deine Verwandte Elisabeth ist schwanger. Das ist ein Lichtblick: Schön, dass wir uns gegenseitig an die Hand nehmen können, zusammenlegen können; Gut, dass Schwangere andere Schwangere als Leidens- und Freudengefährtinnen haben. Die heutigen Frauen und werdenden Väter haben ja viel Solidarisches gelernt. Maria jedenfalls läuft, die Verwandte zu besuchen: Und sie umarmen sich. Und da sagt Elisabeth, das Kind in meinem Leibe hüpft vor Freude. Gut, wenn beim Miteinander reden und fühlen in uns sich was rührt, unsere Christus-Seele in uns hüpft. Wir sind heute angesprochen, ob wir Jesus mit zur Welt bringen wollen, ob wir im Bild mit Gott schwanger gehen wollen. Amen.


 



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