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Kolumne 31. Januar 2004 - Erinnerung ist der Schatz unseres Gewordenseins

Traugott Giesen Kolumne 31.01.2004 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Der Schatz Erinnerung

Die schönen Geschichten unserer Kindheit sind wie Batterien, die ihre Leuchtkraft weiterreichen. Aber auch Kränkungen behalten ihr Gift und geben in dünner Sonde doch Schaden weiter. Am Besten ist, wir sammeln schöne Erinnerungen und verarbeiten die schlechten Erfahrungen zu Lernstoff, wie wir es besser machen können.

Manchen ist Bedrängendes aus der Vergangenheit so mächtig, dass sie versuchen, ihr Ich abzudichten. Sie geben sich andere Namen, dichten sich eine andere Biografie an, verätzen ihr Gedächtnis auch derart, dass nur eine dunkle Wolke ist, wo mal das Kindes-Ich war. Vor allem wenn uns die Kindheit geraubt wurde durch zu viel Leid, wollten wir den Nährboden des Erinnerns verdorren lassen. So erklärt sich, dass manche Menschen eine Strecke Leere haben über Jahre, ein Blackout verlorener Zeit.

Wenn wir dann groß sind, können wir auch mit fachlicher Hilfe drangehen, die Vergangenheit auszugraben. Der stärkste Trumpf ist: Du hast ja überlebt und Person angesetzt, du bist ein eigener Mensch geworden. Du kannst es wagen, dich deinem dunklen Schatz zu nähern. Trau dich, ihn anzuschauen. Er verschlingt nicht mehr, du kannst was mit ihm machen. Du hast doch überlebt und überstanden. Das gibt dir Stärke, hinzuschauen. Du bist nicht mehr ausgeliefert, sondern entronnen und stark geworden.

Oder fordert dich die pure Gegenwart völlig, nimmt dich dann ganz gefangen durch Mühsal oder Schmerz, durch Unbehaustsein oder höchste Anforderung. Dann kann man abgeschnitten sein von Hoffnung und Erinnerung, ist ganz dem Hier und Jetzt ausgeliefert, reagiert reflexhaft. Doch das geht nicht lange, dann sind die Reserven verbraucht, und man muss sich richtig bekehren lassen.

Der Schatz der Erinnerung, wenn es gut ging mit einem, ist ein Reservoir an Energie - allein das Erinnern an die vielen Stürze in deinem Leben - und wie du dich immer wieder aufrappeln konntest, ist eine Quelle für: Los, Mensch, geh, fass an, du kannst. Erinnerung ist der Schatz unseres Gewordenseins. Das Vergessene, in die Tiefe gesunken, ist noch vorhanden. Auch wenn aus dem Blick gerückt ist, wie abgelegte Kleider, sollten wir sie ab und zu hervorholen, sie lüften, mit Heute vergleichen. Erinnerung sollten wir nicht vermauern. Erinnerung ist doch der Grund, auf dem unser Denkgebäude ruht. Schuld will wieder gut gemacht sein. Und Liebe will in neuen Kleidern wiederkommen. Unbewusst trägt uns der Halt der ersten Jahre. Jeder hatte Eltern oder Oma oder Nachbarskinder oder einen guten Lehrer, jeder hatte eine Freundschaft, wenigstens eine, und weiß, dass er auch zaubern kann. Jedenfalls ist Zeit zu schade, sie totzuschlagen oder zu verdösen. Zeit ist ja Gelegenheit für Glück und Gelingen, und die Erinnerung bewahrt uns viele Muster für Aufbruch und Reise und neue Chance.


 



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