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Kolumne 25. September 2004 - <br>Mitnehmen ist unser aller liebste Tätigkeit

Traugott Giesen Kolumne 25.09.2004 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Mitnehmen ist unser aller liebste Tätigkeit

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Den Vorteil wahren tun wir alle gern. Guckt man den Ferkeln zu, wie sie sich an Mutters Gesäuge drängen, da lässt keines dem andern den Vortritt. Von Natur aus ist sich jeder selbst der Nächste. Alles andere ist Kultur, Glaube, ist Wunder der Erziehung. Nur Dank für den Spielraum, der uns in der Berufung, ein Mensch zu sein, mitgegeben ist. Wir können des andern Hunger mitfühlen, wir geben schon einige Euro für "Brot für die Welt." Wir haben die Verpflichtung zum redlichen Steuernzahlen zähneknirschend akzeptiert. Im Krankenzimmer freuen wir uns aufrichtig mit dem Nachbarn, dass sein Bauch wieder gluckert, Auto Fahrende haben das Einfädelsystem "Reißverschluss" weit gehend akzeptiert, irgendeiner wuchtet schon den schweren Koffer ins Abteilnetz, sicher sind die Meisten ehrliche Finder und mehr und mehr Hundehalter räumen die Portionen ihrer Lieben weg. Aber wir haben Lust auf Schnäppchen, nutzen gern die günstigen Gelegenheiten und wissen auch: an der Frischfleischtheke liegen die Sehnen unten, die schöne Seite ist oben. Beim Gebrauchtwagenkauf muss man mit verheimlichten Schäden rechnen, wenn man die Garantie der Werkstatt sparen will. Die besten Zimmer im Hotel kosten einen Aufpreis oder man hat die goldene Kundenkarte. Wir wissen, jeder achtet auf seinen Vorteil. Das ist so.

Und sichert im Allgemeinen das Zurechtkommen aller, wenn alle annähernd gleiche Chancen fürs Notwendige hätten. Ja wenn. Stattdessen haben die mit mehr Möglichkeiten auch mehr Vorteile. Geld spart Geld. Wer mehr bringt, bekommt bessere Zinsen. Und wer mehr Vertrauen genießt, muss weniger Misstrauen fürchten und ist darum versuchbarer. Er müsste aus Selbstschutz mehr Kontrolle für sich fordern, tut er aber nicht. Was soll ein Armer schon mitnehmen aus der Bank? Bankrott machen die, die das große Rad drehen, und immer wollten andere mitverdienen; und irgendwann knirscht es. Was soll ein einfacher Arbeiter beim Großkauf mitnehmen, außer ein paar abgelaufenen Artikeln? Die Kasse systematisch plündern können nur die mit höherer Verantwortung. Und was soll ein Pastor schon mitnehmen? Ein paar Bücher kann er falsch deklarieren, vielleicht ein paar private Telefonate vergessen zu notieren. Aber er kann eher schlimm schaden, kann sich Einflussreichen andienen, wird Sänger statt Bußprediger; er kann die Wahrheit schuldig bleiben, weil er das Wohlleben mitnehmen will. Absurd ist es, zu klagen, öffentliche Gelder würden "bis weit in die Mittelschicht hinein" zu Unrecht mitgenommen. Die unrechtmäßigen Tagegelder, die maßlosen Abfindungen, die fetten Pensionen werden höheren Ortes kassiert. Millionäre beantragen Kindergeld, aber viele Arme schämen sich, Wohngeld zu nehmen. Habgier ist fast unser aller Versuchung, ob es um Ruhmsucht geht oder Selbstschonung oder Prestige oder Money Money. Habgier macht schäbig, verschlagen, hässlich. Bewahren wir einander, stecken einander an mit Großmut, auch beim Trinkgeld. Anerkennung den Gönnern und Mäzenen. Ja, denk groß von dir.


 



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