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Kolumne 02. Oktober 2004 - <br>Das sympathische Fest im Kirchenjahr: Erntedank

Traugott Giesen Kolumne 02.10.2004 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Das sympathische Fest im Kirchenjahr: Erntedank

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Schon allein für diesen Tag mag ich Kirche. Die Altäre sind geschmückt, Obst in vielen Sorten ist herangekarrt, Gemüse in bunten Farben, pralle Blumensträuße sind gebunden, duftendes Brot und Wein laden zum späteren Verzehr - sicher wird nach dem Gottesdienst noch eingeladen. Am Altar steht vielleicht auch ein Produkt aus der nächsten Fabrik und Insulin als Platzhalter für all die nützlichen Medikamente. Und ein Notebook, für alles jetzt so leicht greifbar Wissenswerte, und ein TV-Gerät fürs Unterhaltsame.

Vielleicht sollte man auch Menschen in ihrer Arbeitskleidung mit an den Altar bitten: eine Krankenschwester, einen Polizisten und einen Lehrer, der hat zwar keine besondere Kleidung, aber dem Berufsstand ist doch viel zu verdanken. Sie müssen sich vor einer ganzen Klasse Gehör verschaffen; alle Achtung, wo wir Eltern es schon mit unsern Eins, Zwei schwer haben. Und in den Badeorten könnte man noch einen Strandkorb an den Altar rücken als Zeichen, dass auch Urlaubswetter einen Dank wert ist.

Eigentlich verdanken wir doch alles, alles. Wir sind nur Mithelfer, Verwandler, Bearbeiter. Wir versuchen und rühren zusammen, wir knobeln und berechnen. Aber wenn wir einen sparsameren Motor erfinden, dann haben wir nur die Natur besser begriffen. Es ist doch nicht unser Verdienst, den Rollator erfunden zu haben und damit so vielen das Gehen noch zu ermöglichen. Da hat nur einer die Beute des mechanischen Wissens

endlich handlich gemacht, wahrscheinlich erstmalig für die eigene Mutter, der man noch Freiheit besorgen wollte.

Alles Gelingen ist Heiliger Geist, Fleiß ist Lust am Erfolg und diese Freude am Werk ist uns eingestiftet. Die Schätze der Natur können wir nur schürfen, fördern, fangen, ernten, "bebauen und bewahren", wie es in der Paradiesgeschichte heißt. Wir sind nicht Schöpfer, der nimmt aus dem Nichts: er sagt und es steht da. Wir können immer nur verwandeln und vermehren. Auch das Zeugen ist nur ein Sich dem Sein hinhalten, "und dann taucht Leben in Leben in blinder Lust, Gott aber schafft" (T. Mann). Elternschaft ist letztlich "Empfangen" und Weitergeben.

Erntedank weist uns den Platz der Beschenkten zu. Wir sind Begabte, uns sind Fähigkeiten anvertraut, wir sind zuständig gemacht für Gedeihen im Rahmen der uns zugeteilten Kräfte. Und der heult am meisten über sich, der sein

Anvertrautes vergeudet oder vergraben hat. Das Fest rückt uns den Kopf zurecht: Geben und Nehmen ist das Leben. Aber ungeheuerlich mehr nehmen wir alle. Was nicht alles finden wir vor. Wir nutzen bestenfalls die Möglichkeiten, wir haben sie nicht gemacht; wir finden den Menschen, dem wir anvertraut werden, und haben ihn nicht gesucht.

Danken und Denken haben eine Wurzel. Erntedank macht uns zu besseren Menschen. Gäbe es das Fest nicht, müsste es erfunden werden. Eben Gelesenes gilt auch für mich: "Glauben Sie an Gott?" "Ach, wissen Sie, ich habe dem Mann viel zu verdanken."


 



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