L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001
0751523
Kolumne 06. November 2004 - <br>Soll die Kirche für Airbus verkaufen?

Traugott Giesen Kolumne 06.11.2004 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Soll die Kirche für Airbus verkaufen?

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Was Kirche besitzt ist zu aller Nutzen. Anders als beim Privateigentum kann eigentlich keine Konkurrenz aufkommen zwischen Eigennutz und Gemeinwohl. Kirchenbesitz inklusive Michelangelos Pietà im Petersdom ist zu allgemeiner Verfügung. Gerade, weil Besitz im Grundbuch auf Kirchenname steht, ist er egoistischen Interessen bestens entzogen, darf man wohl meinen. Luther knapp und umfassend: "Was nicht im Dienst steht, das steht im Raub."

Kann man als Privatmensch schon noch private Interessen haben, muß Kirche "der Stadt Bestes" suchen. Dazu muß sie ein Stück eigenen Besitz haben, um nicht abhängig zu werden von Gönnern. Die Mitarbeitenden der Kirche sollen ihre Arbeit tun, für die sie redlich bezahlt werden. Dabei sollen sie ihrer Berufung folgen können, Lebensmut aus christlichem Glauben zu schöpfen und an den Mann, die Frau zu bringen.

Kirche braucht auch Verwaltung. Und die Versorgungsansprüche ihrer Ausgedienten (so die Übersetzung von "Emeriti") sollen möglichst thesauriert sein (was sie aber höchstens zur Hälfte sind) und nicht wie beim Staat von den jetzt Fleißigen bezahlt werden. Früher wurden aus den Kirchenländereien die Pastoren, Organisten, Kirchenwarte bezahlt; heute wird's aus der Kirchensteuer genommen, und die Einnahmen aus den Landpachten kommen in den großen Topf.

Früher gab es großen Streit, wenn die begehrliche Großstadt die kleinen Dörfer aufsaugte, und plötzlich saßen die Dorfkirchen wie die Großbauern ringsum auf Millionen. Bei Kirche hat sich das Prinzip des dienenden Besitzes durchgesetzt, auch wenn die Gemeinden noch Grundbesitzer auf dem Papier sind, müssen die Gewinne daraus fast gänzlich mit allen geteilt werden.

Ist dem so, im großen und ganzen, dann hat die Ortsgemeinde auch "der Stadt Bestes" mit im Sinne zu haben bei Verwaltung ihrer Güter. Dem Stiftungszweck von einst "Sicherung der Pfarrbesoldung" würde man mit einem guten Tausch, beziehungsweise gutem Geld entsprechen. Das Kaufansinnen kann nicht sittenwidrig genannt werden, auch betrifft die Startbahnerweiterung wohl nicht eine Bekenntnissache. Die Erhaltung der Schöpfung ist aufgegeben, aber darf Kirche dem Staat die Erhaltung dieses Stückes Grund abtrotzen durch Einsatz von Macht?

Besitz ist Macht, das ist unbestritten. Jesus sagte mal, gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, Steuern und so was - euch selber gebt Gott. In Demokratien, allermeist noch von Christen regiert, sollte Kirche dem Staat doch das Recht einräumen, zu entscheiden, wo und was gebaut werden kann. Vor allem, wenn sie mit Recht einen Staatsvertrag anmahnt, der doch einvernehmliche Regelungen und bevorzugte Behandlung vorsieht.

Natürlich kann man mit den Getreuen rund um den Kirchturm sich verschanzen und jeder Pastor, jeder Kirchenvorsteher ist erst mal solidarisch fürs Dorf. Aber Kirche ist doch größer. Wofür haben wir Synoden? Soll Kirche doch mal wieder um gemeinsame Maßstäbe aus Theologie kämpfen. Und: Die für die Erweiterung demonstrierten, bitten um Hilfe. Das ist was.


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2021 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...  

 
Online 8