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Kolumne 27. November 2004 - <br>Obwohl die Kirche schrumpft: Gott ist doch mitten unter uns

Traugott Giesen Kolumne 27.11.2004 aus "Die Welt" Ausgabe Hamburg

Obwohl die Kirche schrumpft: Gott ist doch mitten unter uns

Himmel und Erde

von Traugott Giesen

Jetzt, zum 1. Advent, putzen sich die Läden heraus. Von weitem winkt Weihnachten, Besinnung auf Christliches steht an. Hohe Kirchenherren klagen: "Gott ist sehr an den Rand gedrängt." Aber stimmt denn das? Sicher werden seine christlichen Diener - bis auf den blühenden Bruder Papst - nicht mehr prunkvoll geehrt. Auch auf den Dörfern redet nach dem Bürgermeister erst der Feuerwehrgeneral. Der Pastor muß sich schon selber melden, und es freut ihn dann, wenn ihm gewunken wird: "Komm, rücke herauf." Daß die Priesterschaft nicht mehr die erste Geige spielt in der Öffentlichkeit, paßt das gut zur Demokratie? Und bröckelte Kirchenmacht nicht immer schon? Einst brachte die Satirezeitschrift "Simplizissimus" eine entlarvende Karikatur. Sie zeigte, wie Kaiser Wilhelm II. mit seinen Söhnen zum Dom schritt, die Unterschrift lautete: "Die Allerhöchsten ziehen zur Kirche, um den Höchsten zu ehren." Inzwischen ist das Establishment mit Kirchenbesuchen zurückhaltend, bis auf höchste Trauertage. Sicher geht der Einfluß der Geschichte zurück, darum auch der Einfluß christlicher Prägung. Klar, daß immer weniger Menschen biblisches Lutherdeutsch - "stellt euer Licht nicht unter den Scheffel" - verstehen. Die Gegenwart ist übermächtig, etwa alle zwölf Jahre verdoppelt sich das Wissen. Wir sind dermaßen mit Lernen beschäftigt - siehe Handys und Fahrkartenautomaten - kaum können wir noch die alten Gebete. " Der Herr ist mein Hirte", aber auch Schillers "Glocke" ist verrauscht. Schrumpft auch Kirche und christliche Tradition, so ist doch dennoch Gott da. Er ist das Herz aller Dinge, das Gehirn der Welt, der Kosmos ist sein Leib, wir seine Glieder. Wie sollte Gott an den Rand gedrängt werden? Wie kann man denn die Erdachse an den Rand drängen oder die Liebe? Es gibt viele Ikonen für die Liebe, die eigene Mutter oder Marilyn Monroe oder Maria. Aber sicher ist Jesus das tiefste Bild der Menschheit: Er betet für seine Feinde, er bringt die Fundamentalisten dazu, die für die Ehebrecherin vorgesehenen Steine fallen zu lassen, er garantiert, daß Gott Liebe ist, er läßt sich eher kreuzigen als ihm abzuschwören. Noch sehen viele Gott herrisch und uns zur Unterwürfigkeit verpflichtend. Noch leuchten Propheten nicht sanftmütig, sondern kampferprobt. Aber unter welchem Namen wir Gott auch anrufen, seine Größe und seine Güte gehören zusammen. Das hat Kirche lange und mühsam lernen müssen: Sie darf nicht mehr zwingen, lieber soll sie verachtet sein wollen als gefürchtet. "In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen", sagt Jesus einmal, also laßt uns andere Religionen geschwisterlich schätzen. Wenn sie in ihren Herkunftsländern noch wenig tolerant sind, sollte uns das nicht hindern, gastfrei und hilfsbereit zu sein. Die Sanftmütigen preist Jesus selig - die Vertrauen wagen, bahnen Frieden an. Zum Glauben an Gott gibt es keine realistische Alternative. Man kann nicht an die Mathematik glauben, die kann man nur nutzen.


 



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